
Skulptureninstallation „be Pader, my friend“ dauerhaft an der Dielenpader im Zentrum von Paderborn installiert.


Im Rahmen des 100tägigen Kunstevents „Tatort Paderborn“ entwickelte Manfred Webel die Skulpturen-Installation „be Pader, my friend“ für das Herz Paderborns – die Pader mit Aussicht auf den Dom. Schirmherrin für diese Kunstinszenierung ist ARD Wetterfee Claudia Kleinert.
Die im Volksmund Paderbubbles genannten Skulpturen verkörpern den Perspektivwechsel der Veranstaltung „Der Fluss bin ich“. Bekannte Künstler:innen aus acht Ländern waren eingeladen, wie Jeppe Hein aus Dänemark oder Pallavi Paul aus Neu Dehli. Inspiriert von den sichtbar im Wasser aufsteigenden Luftblasen sind die bubbles Botschafter der Pader und treten in den Dialog mit Pflanzen, Tieren, Menschen und der Welt. Sie zeigen die Rolle des Gewässers in der Stadt für die historische Stadtentwicklung, die wirtschaftliche Nutzung, die gesellschaftliche Prägung.
Die Inszenierung begreift den vorgefundenen Raum mit seinen Achsen und Dimensionen als Skulpturenarena für fünf Interaktions-Skulpturen, die im und um das Quellbecken der Dielenpader platziert sind. Mit ihrer hochglänzenden, spiegelnden Oberfläche reflektieren sie diese Dimensionen in ihrer Vielschichtigkeit und sind zu einem starker Besuchermagnet geworden. So fördern sie die Wertschätzung für den kürzesten deutschen Fluss, die Pader. Mit seinem umfangreichen Informations- und Mitmachprogramm sorgte Manfred Webel für die Vertiefung von Themen wie z.B. die ökonomische Nutzung des Wasser und die sich daraus ergebende ökologische Herausforderung.
Die Werke im Einzelnen:
„4bubbles openworked“ (in der Pader) 107 x 90 x 103 cm als von Teichrallen und vielen Kleintieren und Pflanzen besiedeltes Habitat
„5bubbles openworked“ (Wiese) x x x cm, als Teil eines Flachsbeetes und Hinweis auf die Leinenherstellung in Paderborn
„6bubbles“ (Wiese) 128 x 90 x 105 cm, als vielgestaltiges Wasserwesen
„9bubbles“ (Ufer) 126 x 60 x 84 cm, als Venus und weibliche Form von Leben
„10bubbles openworked“ (Wand) 98 x 88 x 69 cm, dazu gibt es komplementär alle Ovoide als Schöpfgefäße aus Aluminium
Wasser
Kunst und Ökologie zusammen gedacht
Die Skulpturen im Quellbereich der Pader zeigen, wie kostbar Wasser ist. Claudia Kleinert, Schirmherrin von „be Pader, my friend“, formuliert das so: „Wasser ist Leben. Es ist Bewegung, Wandel und Verbindung – von den Quellen der Pader bis zu den Wolken über uns. Als Wetterexpertin fasziniert mich dieser Kreislauf des Wassers, seine Schönheit und seine Bedeutung für unser Klima. Manfreds Kunstaktion öffnet unseren Blick dafür -mitten in Paderborn. Sie lädt uns ein, die Pader als Fluss und als Freund:in zu sehen.“ Aber wie erhalten wir die Qualität unseres (Trink-) Wassers? In jedem Fall müssen wir dafür sorgen, dass nicht immer mehr Kunststoff-Partikel in unsere Flüsse gelangen. Roland Damann, Founder der „mircobubbles“, hat eine Technologie entwickelt, die dafür sorgen kann, einen großer Teil des Reifenabriebs aus der Umwelt zu „fischen“, bevor er in die Flüsse gelangt. Reifenabrieb verursacht weltweit etwa ein Drittel des gesamten primären Mirkoplastiks in der Umwelt. Gemeinsam mit dem Künstler und 3D-Druck Pionier Dr. Matthias Fockele, machte eine Veranstaltung im Diözesanmuseum Paderborn darauf aufmerksam. Dazu hat Manfred Webel eine Skulptur für die Domschatzkammer geschaffen, die aus der Umwelt „abgefischten“ Reifenabrieb enthält, in dem hunderte winzige bubbles-Skulpturen aus Edelstahl „schwimmen“, die Matthias Fockele gedruckt hat. Mtmachangebote für unterschiedliche Zielgruppen nahmen sich des Themas an.
Mit dem Naturkundemuseum und dem Projektbüro „Stadt-Mensch-Fluss“ wurden Tiere und Pflanzen im bubbles-Habitat kreativ bestimmt. Diese Skulptur – die 4bubbles“ – hat der Künstler mit fachlicher Beratung des Biologen Dr. Eckart Schrey, so dimensioniert, dass Kleintiere, Pflanzen und Wasservögel es als Lebebnsraum nutzen. Augenfällig ziehen Blessrallen alljährlich ihre Jungen darin groß. (Link zur Vogelwarte Helgoland und zum Verein Jordsand)
Mit dem Alpenverein wurde das weltweite Gletschersterben und der Rückgang des Permafrosts thematisiert: Ein Interview mit einem erfahrenen Gletscherwanderer gab den Anstoß für Skulpturen, die Interessierte aus gefrorenem Wasser schnitzen konnten. Und indem sie das Eis berührt und geschnitzt haben, zerronn es in ihren Händen.
Historie
Kunst und Stadtgeschichte
An der Pader gibt es seit der Steinzeit Siedlungsspuren, seit circa 2500 vor Christus wird sie sporadisch, seit 1000 vor Christus durchgehend besiedelt. Mit dem Bau der fränkischen Pfalz 776 nach Christus und der ersten bürgerlichen Marktsiedlung westlich der Domburg ab etwa 800 nach Christus nimmt die Stadtwerdung Paderborns Fahrt auf. All das ist nur möglich durch die enorme Wassermenge der Pader, die wenige Meter nach den etwa 200 Quelltöpfen bereist stark fließt. Die Skulptureninstallation an diesem geschichtsträchtigen Ort und verschiedene Mitmachangebote machen menschliches Leben an Flüssen und die besondere Situation an der Pader greifbar.
Prof. Michael Ströhmer vom Historischen Institut der Universität Paderborn ist eine treibende Kraft hinter der Erforschung der Pader und paderpedia.de. Mit seiner Begeisterung und seinem Fachwissen hat er maßgeblich zu verschiedenen Mitmachangeboten beigetragen. Besonders seine Kenntnisse in Bezug auf die enorme Mühlendichte auf kleinstem Raum, die weltweit wohl einzigartig ist, haben Manfred Webel inspiriert.
Gemeinsam mit der Modemacherin Laura Schlütz wurde 5bubbles in ein eigens dafür angelegtes Flachsfeld eingebettet, da auch in Paderborn Flachsanbau verbreitet war, was heute aber kaum jemand weiß. Von der Auswahl der richtigen Flachs-Sorte zum säen, gießen, pflegen, jäten bis zur Ernte nach knapp 100 Tagen konnten alle Bürger:innen aktiv daran mitwirken.
Glaube
Kunst und Spirit
Im Werk von Manfred Webel und seinen Angeboten an das Publikum spielen grundsätzliche Fragen von Anfang an eine große Rolle: Was ist eigentlich Schönheit? In welcher Beziehung steht Schönheit zur Kunst? Und welche Rolle spielen Schönheit und Kunst eigentlich für unser Zusammenleben? An einem Quellort wie der Pader sprudeln solche Fragen geradezu hervor. In einem Gespräch mit dem ehemaligen Documenta-Macher und langjährigen Leiter des Museum Marta ihn Herford Jan Hoet, brachte dieser seine Haltung auf den Punkt: „Du kannst kein Künstler sein, wenn Du nicht spirituell bist!“ Für Manfred Webel ist das schon immer eine Kategorie seiner Arbeit und so lag es nahe, Erzbischof Udo Markus Bentz zu einem spirituellen Impuls und Dialog einzuladen. Mit sehr persönlichen und freundlichen Worten zog er die knapp 100 Gäste in den Bann: „Manfred Webel lässt mit seinen „PaderBubbles“ spielerische, schwebende Zeichen entstehen. Sie verweisen darauf, dass Schönheit etwas Zerbrechliches ist – wie eine schillernde Seifenblase. Und dass Natur und Kunst zusammengehören. Dass das Geheimnis gewahrt bleiben muss. Und gerade in dieser Vergänglichkeit von Natur und Kunst liegt eine Wahrheit, eine Form von Transzendenz: Die Schöpfung, Natur und Kunst, ist Geschenk, kein Besitz.“ Und weiter führte er aus: „Der Theologe Karl Rahner hat einmal über den Künstler und seine Kunst gesagt: „Der Künstler ist ein Prophet, der nicht mit dogmatischen Formeln spricht, sondern mit Farben, Klängen und Worten, die das Herz treffen.“ Er war der Überzeugung, dass die religiöse Dimension der Kunst nicht in irgendeiner Form der Belehrung liegt, sondern in der Vergegenwärtigung des Geheimnisses Leben. Die Natur spricht vom Geheimnis des Lebens, die Religion auf ihre Weise – und die Kunst tut es auch auf ihre Weise. Allen ist gemeinsam diese Achtsamkeit vor dem Geheimnis des Lebens.“
Auch Poetry-Slammerin Julia Kluge beschäftigt sich mit dem Geistigen: „Da ist Wasser. Da ist Luft. Das Quellbecken der Dielenpader. Und Skulpturen von Manfred Webel. Silbern, glänzend, rund. Edelstahl Bubbles. Bubbles wie die winzigen Luftblasen im Quellbecken. Die Luftblasen, die sich still formen, irgendwann vom Grund lösen, um leicht und spielerisch im Wasser umher zu tanzen und aufzusteigen. So entstehen auch Gedanken: unscheinbar, verborgen im Grund und dann plötzlich plopp schwirren sie frei und unaufhaltsam da im Kopf herum. Oder auch wie eine Idee, die lange im Innern geschlummert hat und jetzt nicht mehr still sein will, die wächst und immer deutlicher wird.“








